Was gehört in die Bewerbung für eine Genossenschaftswohnung?
Kurz gesagt: Betreibungsregisterauszug, Lohnnachweise, eine Ausweiskopie und ein kurzes Motivationsschreiben, das sagt, warum gerade diese Siedlung. Das Dossier sollte fertig sein, bevor die Wohnung ausgeschrieben wird — viele Inserate sind nach einem Tag wieder weg.
Bei einer Genossenschaft bewirbt man sich nicht bei einer Verwaltung, sondern bei einer Gruppe, die neue Mitglieder aufnimmt. Das verschiebt die Gewichte: Zahlungsfähigkeit ist Bedingung, nicht Auswahlkriterium. Entschieden wird über Belegung, Bezug zum Ort und die Frage, ob jemand zur Siedlung passt.
Was ins Dossier gehört
- Ausgefülltes Anmeldeformular der Genossenschaft. Fast alle haben ein eigenes. Wer stattdessen ein Standarddossier schickt, fällt oft schon formal durch.
- Betreibungsregisterauszug, nicht älter als drei Monate. Online bestellt kostet er wenige Franken und dauert ein bis drei Tage — vorher besorgen, nicht erst bei der Bewerbung.
- Lohnausweise oder Lohnabrechnungen der letzten drei Monate, bei Selbstständigen die letzte Steuererklärung oder ein Buchhaltungsabschluss.
- Kopie eines Ausweises aller erwachsenen Personen im Haushalt.
- Aufenthaltsbewilligung, sofern zutreffend.
- Referenz der bisherigen Vermietung — bei Genossenschaften seltener verlangt als am freien Markt, schadet aber nie.
- Kurzes Motivationsschreiben. Der einzige Teil, den man wirklich gestalten kann.
Das Motivationsschreiben
Eine halbe Seite genügt. Drei Dinge sollten darin stehen, und zwar konkret statt in Floskeln:
- Warum diese Genossenschaft und diese Siedlung. Wer den Namen der Siedlung nennt und sagt, was ihn daran interessiert, hebt sich bereits von der Mehrheit ab.
- Wer einzieht. Haushaltsgrösse, Alter der Kinder, Arbeitsort. Genossenschaften achten auf Durchmischung; diese Angaben helfen ihnen, nicht dir zu schaden.
- Was du einbringst. Genossenschaften leben von Mitarbeit — Hausdienst, Vorstand, Siedlungskommission, Gartengruppe. Wer glaubhaft Bereitschaft signalisiert, ist im Vorteil. Glaubhaft heisst: etwas, das man tatsächlich tun würde.
Was nicht hineingehört: Beteuerungen über Ruhe und Sauberkeit, Superlative über die Wohnung, und alles, was in jedem zweiten Schreiben ebenso steht.
Vorher fertig haben, nicht nachher
Ein Fünftel der Inserate ist nach 24 Stunden wieder weg (gemessene Inseratsdauer). Wer den Betreibungsauszug erst bestellt, wenn die Wohnung erscheint, bewirbt sich zu spät. Das Dossier gehört als PDF-Satz auf die Festplatte, bevor die Suche beginnt; anzupassen ist dann nur noch das Motivationsschreiben.
Nach dem Absenden
Viele Genossenschaften melden sich nur bei Interesse, und das kann Wochen dauern. Eine kurze Nachfrage nach zwei Wochen ist üblich und schadet nicht. Absagen bleiben oft aus — das ist kein gutes Zeichen, aber auch kein schlechtes.